Glücksspiel auf der Insel Rhodos

Sonnenschein und Sandstrände, Souflaki und Sirtaki – es gibt kaum jemanden, der mit Griechenland nichts verbinden kann. Das beliebte Urlaubsziel gilt als die Wiege von Demokratie und der westlichen Zivilisation schlechthin, doch zu den Geschenken der Griechen an den Rest der Welt gehört noch viel mehr als Olympische Spiele, die Philosophie von Sokrates, Platon und Aristoteles und Tragödien oder Komödien von Sophokles, Euripides und Aristophanes.

Im antiken Griechenland mit seiner Hingabe an die Götter wurde unter anderem mit Begeisterung gespielt. Der Götterbote Hermes und der flötenspielende Hirtengott Pan galten dabei als die bevorzugten himmlischen Gestalten, die die Spieler und Zocker um Beistand anriefen. Dabei konnten sich die Spieler auf göttliche Vorbilder berufen. So hatten bereits Zeus, Hades und Poseidon unter anderem durch Würfeln über die Aufteilung der Welt entschieden.

Das Glücksspiel ist in Griechenland noch heute enorm populär. Nur die Chinesen sollen noch begeisterter zu Würfeln, Dominosteinen und Karten greifen. Doch während im Reich der Mitte und in Nachbarländern wie Vietnam illegales Glücksspiel ein nicht zu unterschätzendes Problem ist, dem die Behörden in Kooperation mit China voller Nachdruck zu Leibe rücken, ist unerlaubtes Zocken in Griechenland selten.



Das liegt auch daran, dass die Regierung der stark vom Tourismus abhängenden Hellenen legales Glücksspiel unterstützt. Weil gerade die glücksspielbegeisterten Asiaten und betuchte Araber das griechische Festland und die Inseln immer häufiger als Urlaubsziel entdecken, sind Casinos ein weiterer Anreiz und eine lukrative Einnahmequelle. Erst vor nicht allzu langer Zeit hat die Regierung deshalb neue Spielbanken auf mehreren ägäischen Inseln genehmigt.

Auf Rhodos gehört das Casino längst zu den eingespielten Attraktionen. Auf insgesamt 3500 Quadratmeter Fläche, die auf zwei Etagen verteilt sind, können die Gäste sich beim klassischen Tischspiel oder an Slots vergnügen und dabei Hermes und Pan um Beistand bitten. Die berühmteste Glücksgöttin, Fortuna, ist zwar der römischen Mythologie entnommen, kann aber ebenfalls ins Spiel gebracht werden.

Tempel auf Rhodos Im alten Griechenland wurden schon in den Tempeln verschiedene Glücksspiele gespielt.

Für die knappen öffentlichen Kassen sind die Spieler auf jeden Fall ein Gewinn. Vor der Rezession von 2008 setzten die damals sechs hellenischen Spielbanken rund ,2 Milliarden Euro in einem Jahr um. Der Betrag halbierte sich aufgrund der weltweiten Krise, ehe sich die Wirtschaft auch in Griechenland nach neun Jahren erholen konnte. Um attraktiv zu bleiben und neue Touristengruppen und damit Geldquellen zu erschließen, sollen Luxusresorts mit angegliederten Casinos auch in Griechenland die Besucher anziehen. Da die Spielumsätze im zweistelligen Bereich versteuert werden, sind wie in den deutschen Spielbanken die Einnahmen aus dem Glücksspiel nicht unerheblich, was die staatliche Verwaltung anbelangt.

Als Teil der Europäischen Union besitzt Griechenland dabei strikte gesetzliche Regelungen, die für die Casinos ebenso gelten wie für den Rest der Unterhaltungsbranche. Damit besitzen sie eine Rechtssicherheit, die den Besuchern ebenfalls zugutekommt.

Weil sich rund um die Casinos zudem überwiegend Gastronomie, Bars und eleganteres Entertainment niederlassen, steigt die Attraktivität der Lokalität häufig auch für Nicht-Spieler.

Während tagsüber die meisten Besucher die Jahrtausende alte Historie und Kultur Rhodos erkunden, in dem glasklaren Wasser baden oder sich an den weichen Sandstränden sonnen, kommt dem Nachtleben häufig fast genauso viel Bedeutung zu.

Griechische Nächte mit traditionellen Tänzen, Bouzoukiabende mit Live-Musik, Lichterspiele in Altstädten und Feste am Meeresufer locken Einheimische wie Urlauber an.
Wer sich in die luxuriösen neuen Resorts begibt, findet dort einen Hauch von Las Vegas vor, wo außer der Größe auch das Rahmenprogramm zum Publikumsmagneten geworden ist. Nicht umsonst sind aufregende, regelmäßig wechselnde Shows schon fast Pflichtprogramm für die renommierten Häuser.

Wer tagsüber auf Rhodos die vom Johanniterordern gebaute Altstadt und die Überreste der Akropolis und des Appollon-Tempels besichtigt, kann sich in Gedanken mühelos zurückversetzen ins alte Griechenland. Dazu gehörten außer philosophischen Debatten auf den Stufen der Tempel und den Leibesübungen, die für die sportbegeisterten Hellenen nicht nur als Herkunftsort der Olympischen Spiele Alltag waren, auch Spiele aller Art.

Schon Homer, der voraussichtlich im siebten oder achten Jahrhundert von Christus geboren wurde, erwähnte Spiele wie „Pettaia", bei dem schwarze und weiße Spielsteine im Einsatz waren. Das heutige Dame-Spiel war im antiken Griechenland unter dem Namen „Tilia" bekannt.

Sophokles, der im fünften Jahrhundert vor Christus gelebt hat, schrieb gar die Erfindung des Würfels einem griechischen Helden während der Belagerung von Troja zu. Auch wo bei den alten Hellenen mit Vorliebe gezockt wurde, ist dank der zahlreichen griechischen Dichter und Philosophen zum Teil überliefert. Wer sich zum Tempel der Athena Skira oder zum Pirene-Brunnen in Korinth begibt, kann sich sicher sein, sich auf den Spuren antiker Glücksspieler zu befinden, ob sie nun Würfelspiele, Wetten oder Brettspiele bevorzugt und Pan oder Hermes als ihren Glücksbringer erwählt hatten. Wie so viele Traditionen in Griechenland leben diese Erinnerungen an die Antike in unserer modernen Welt fast unverändert fort. Schließlich ist dieses Land schon immer mehr gewesen als nur ein sonniges Strandparadies.


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