Verspätet, überbucht, annulliert - Welche Rechte haben Fluggäste?

Die Reise nach Rhodos ist gebucht, die Koffer gepackt und die Freude auf den bevorstehenden Urlaub ist groß. Meist starten die Flugzeuge pünktlich und die Urlauber erreichen wohlbehalten ihren Urlaubsort. Kommt es jedoch zu Verzögerungen oder wird der Flug storniert, ist die Frustration groß.

Die Rechte der Fluggäste

Die Europäische Union hat bereits vor einigen Jahren die Rechte der Passagiere maßgeblich gestärkt. In der 2005 in Kraft getretenen EU-Fluggastrechteverordnung ist explizit geregelt, wann und in welchem Umfang eine Fluggesellschaft den Betroffenen Entschädigungsleistungen zahlen muss. Geschützt werden sollen die Rechte der Reisenden bei:

  • Flugverspätung
  • Flugannullierung
  • Nichtbeförderung (Überbuchung)

Die Gültigkeit dieser Verordnung erstreckt sich auf Flüge, die in der EU starten oder dort landen. Letzteres gilt jedoch ausschließlich für Fluggesellschaften, die Ihren Sitz in der EU, Norwegen, Island oder in der Schweiz haben. Gültig ist diese Verordnung gleichermaßen für Anbieter von Linien-, Billig- und Charterflügen.

Flugverspätung & Annullierung - wenn der Abflug auf sich warten lässt

Damit im Falle einer Flugverspätung oder Annullierung berechtigte Ansprüche an die Fluggesellschaft gestellt werden können, sollten einige Voraussetzungen erfüllt sein. Neben der grundsätzlichen Anwendbarkeit der Verordnung müssen die Passagiere im Besitz gültiger Tickets sein und eine rechtzeitige Anwesenheit beim Check-in nachweisen. Wenn von der Fluggesellschaft keine abweichende Zeit genannt wird, ist dies 45 Minuten vor Abflugzeit der Fall. Zusätzlich zur Versorgung mit Nahrung, Getränken oder notfalls auch Hotel-Unterkünften und Transfers steht den Passagieren unter gewissen Voraussetzungen auch eine finanzielle Entschädigung zu. Deren Höhe berechnet sich nach der Flugdistanz sowie der Wartezeit. Erst bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden ist die Fluggesellschaft zu einer Ausgleichszahlung je Fluggast verpflichtet:

  • 2 Stunden und mehr bei einer Strecke bis 1.500 km: 250 Euro
  • 3 Stunden und mehr bei Strecken von 1.500 km bis 3.500 km: 400 Euro
  • 4 Stunden und mehr bei Flugstrecken von 3.500 km oder mehr: 600 Euro
  • 5 Stunden und mehr: Passagiere können eine Flugstornierung sowie die Kostenerstattung verlangen.

Anspruch auf finanziellen Schadenersatz haben die Fluggäste, wenn sie nicht mindestens 14 Tage vor dem Abflug über die Annullierung informiert wurden und die Verantwortung für den Ausfall bei der Fluggesellschaft liegt. Ist dies der Fall - beispielsweise aufgrund eines technischen Defekts - steht den Fluggästen auch bei einer Verspätung ein Recht auf finanzielle Entschädigung zu. Bei Streiks oder Verspätungen aufgrund schlechter Wetterbedingungen ist dies nicht der Fall. Ist die Airline jedoch nicht ausreichend auf einen zu erwartenden Wintereinbruch vorbereitet, ist auch hier eine finanzielle Entschädigung zu leisten.

Die Durchsetzung berechtigter Ansprüche

Die Passagiere müssen Ihre Forderungen bei der entsprechenden Fluggesellschaft unter Setzung einer Frist schriftlich anmelden. Falls keine entsprechende Zahlung erfolgt, können die Ansprüche in einem Zivilprozess durchgesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Einschaltung der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SOEP), die bei Problemen mit der entsprechenden Airline vermittelnd eingreift. Bei Unternehmen mit Sitz im europäischen Ausland können sich die Passagiere ebenfalls an das Europäische Verbraucherzentrum wenden. Eine weitere Möglichkeit ist die Beauftragung von Unternehmen wie flightright, die sich auf die Durchsetzung von Fluggastrechten spezialisiert haben. Im Falle eines Erfolges verlangen diese Firmen ein vorher vereinbartes Honorar.


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